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* E-Mail an J. Paulus

Wenn mein Bein nicht zu mir gehört
 Depersonalisation und außerkörperliche Erfahrungen
(SWR2 20. Februar 2013, 08.30 Uhr)

 

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Sprecher:

Timo Heinze war 17, als sich sein Leben von einem Tag auf den anderen völlig veränderte. Zusammen mit seinem Vater war er gerade dabei, die Lautsprecher seiner neuen Stereoanlage im Kinderzimmer anzubringen.

 

O-Ton 1 - Timo Heinze:

Aus heiterem Himmel eigentlich war es so als wie, es ist jetzt 13 Jahre her, man kann sich schwer erinnern, ich kann mich entsinnen, dass ich das Gefühl hatte, ich falle irgendwie zusammen, oder irgendwas ist ganz komisch, was total Unbekanntes. Und dann weiß ich noch, dass ich so die nächsten zwei, drei Tage im Bett lag, weil ich gar nicht wusste, was ist denn hier eigentlich gerade passiert. Eigentlich lebe ich, alles ist gut, aber irgendwie ist doch nicht alles okay.

 

Sprecher:

Timo Heinze, der in Wirklichkeit nicht so heißt, erlebte die Welt auf einmal anders. Er hatte keine Wahnsymptome, keine Halluzinationen. Aber normal war seine Wahrnehmung auch nicht mehr.

 

O-Ton 2 - Timo Heinze:

Man läuft halt über die Straße und hat das Gefühl, das ist alles gar nicht so. Man ist so wie weg, irgendwie.

 

Sprecher:

„Wenn mein Bein nicht zu mir gehört - Depersonalisation und außerkörperliche Erfahrungen". Eine Sendung von Jochen Paulus.

 

O-Ton 3 - Timo Heinze:

Ja wie, ich habe es am Anfang mal so beschrieben, dass alles so ein bisschen wie ein Film abläuft. Also diese ganzen Gefühle, dieses Ganze „Ich bin wirklich hier im Hier und Jetzt", das fehlt einem auch. Es ist sehr schwer nachzuvollziehen. Ich bin da auch viel, eigentlich immer nur auf Missverständnis auch bei Ärzten gestoßen, sag' ich mal.

 

Sprecher:

Die Störung heißt Depersonalisation. Ärzte sollten sie kennen, denn sie ist nicht selten. Doch sie spielt in der Psychiatrie keine große Rolle und nur wenige Fachleute beschäftigen sich intensiv mit ihr. Einer von ihnen ist Privatdozent Matthias Michal von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Mainz. Er kann darauf verweisen, dass schon Wilhelm Griesinger, ein 1817 in Stuttgart geborener Gründervater der modernen Psychiatrie, das Phänomen kannte.

 

O-Ton 4 - Matthias Michal:

Und der schildert hier zum Beispiel in einem alten Buch eine melancholische Patientin, die eben Depersonalisation erlebt, damals gab's den Begriff noch nicht. Und zwar sagt diese Frau: „Ich sehe, ich höre, ich fühle, aber die Gegenstände gelangen nicht bis zu mir. Ich kann die Empfindungen nicht aufnehmen, es ist mir, als wäre eine Wand zwischen mir und der Außenwelt." Und das ist so eine ganz, ganz typische Schilderung, die man auch heute immer noch so von dem Patienten hört. Dass sie das Gefühl haben, es dringt irgendwie nicht zu ihnen hindurch oder andersrum, sie sind ganz, ganz weit weg von allem, nie richtig da.

 

Sprecher:

Manche zählen die Depersonalisation zu den dissoziativen Störungen, bei denen das Ich seine Einheit verliert. Dann sind beispielsweise wichtige persönliche Erinnerungen einfach nicht mehr da. Oder es kommt einem Menschen so vor, als ob er aus mehreren Persönlichkeiten bestehen würde. Oder man scheint eben nicht mehr richtig in der Welt zu sein. Professor Martin Bohus vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit sieht dies oft bei seinen Patienten:

 

O-Ton 5 - Martin Bohus:

Dissoziative Zustände sind ein Phänomen, das so dem Laien nicht ganz einfach zu erklären ist. Das ist die vorübergehende Auflösung der Raum-, Zeit- und auch der Selbstwahrnehmung. Im Fachjargon nennt man das Depersonalisation und Derealisation, also das Gefühl für mich selbst in mir und mein Gefühl des selbstverständlichen In-der-Welt-Seins, also das was, was wir so völlig unhinterfragt jeden Tag erleben, was aber eine Produktion des Gehirns ist, diese Wahrnehmung löst sich auf.

 

Sprecher:

Eine einheitliche Person sein, einen Körper besitzen, in dem man zu wohnen scheint - all diese Selbstgewissheiten werden von Störungen und Phänomenen infrage gestellt, die Wissenschaftler seit einiger Zeit genauer betrachten. Die Depersonalisation ist ein Beispiel.

 

O-Ton 6 - Martin Bohus:

Das ist ein neues Forschungsgebiet, das hochspannend ist, weil es gibt eigentlich kein anderes Störungsbild, wo sie dann - jetzt klingt es ein bisschen absurd - aber auf der anderen Seite kriegen sie das erste Mal bei diesem Störungsbild mit, dass wir eigentlich unsere Realität und die Selbstverständlichkeit, mit der wir in unserem Körper da sind, in unserer Zeit sind, ja fortwährend im Gehirn konstruieren.

 

Sprecher:

Für die Betroffenen ist die Depersonalisation eine beängstigende Krankheit. Für Forscher und Denker ist sie noch etwas anderes, zum Beispiel für den Psychiater Michal.

 

O-Ton 7 - Matthias Michal:

Das ist quasi auch eine Art philosophisches Krankheitsbild. Weil Dinge, die einem so ganz natürlich gegeben erscheinen, wie dass man selbst ist, dass wenn man in den Spiegel schaut, dass man sich natürlich erkennt, das wird plötzlich fremd und infrage gestellt. Und dann beginnt man natürlich, sehr viel über seine Identität nachzudenken. Was mache ich eigentlich hier auf der Welt, wer bin ich eigentlich? Und ich denke, daher kommt es, dass es auch in der Literatur so eine große Rolle spielt.

 

Sprecher:

Schriftsteller haben dieses Gefühl der Depersonalisation beschrieben, etwa der Japaner Haruki Murakami in seinem Roman „Mister Aufziehvogel". Kreta Kano, eine junge Frau,

 

fährt im Sportwagen gegen eine Wand und findet sich in einer Klinik wieder. Die Depressionen und die Schmerzen, an denen sie vorher gelitten hat, sind weg, doch ihre Verbundenheit mit der Welt ist es auch.

 

Zitatorin (Murakami „Mister Aufziehvogel"):

Ich spürte nicht den geringsten Schmerz. Bedeutete dies, dass ich keine Schmerzen hatte oder aber, dass ich zwar welche hatte, sie aber nicht mehr spürte? Ich konnte dazwischen nicht unterscheiden, jedenfalls tat es nicht weh. Ja genau genommen hatte ich überhaupt keine Empfindungen ... Mein Körper war von erschreckender Leichtigkeit, so leicht und luftig, dass er sich gar nicht wie mein Körper anfühlte. Ich fühlte mich so, als habe sich mein Geist in einem fremden Körper niedergelassen. Ich betrachtete ihn im Spiegel aber zwischen mir und dem Körper, den ich sah, spürte ich eine entsetzliche weite Distanz. ... Eine Kluft trennte mich von ihm, und das verwirrte mich zutiefst. Ich hatte das Gefühl nicht in der Welt verankert zu sein - in dieser Welt, die ich bis dahin so inbrünstig gehasst hatte, ... Nun hatte die Welt aufgehört, die Welt zu sein, und ich hatte aufgehört, ich zu sein.

 

Sprecher:

Auch im Werk von Jean-Paul Sartre finden Experten das Gefühl der Depersonalisation wieder. In seinem Roman „Der Ekel" kauft der Icherzähler unterwegs eine Zeitung und liest, dass die Leiche eines vergewaltigten Mädchens gefunden wurde. Die Meldung wirkt auf ihn so eigenartig wie sein ganzes Dasein.

 

Zitator:

Und diese Zeitung, bin das noch ich? Die Zeitung halten, Existenz gegen Existenz, die Dinge existieren gegeneinander, ich lasse die Zeitung los. Das Haus schießt hervor, es existiert vor mir, die Mauer entlang, gehe ich, die lange Mauer entlang existiere ich, vor der Mauer, ein Schritt, die Mauer existiert vor mir, eins, zwei, hinter mir, ... die Existenz ist wabbelig und rollt und schwankt, ich schwanke zwischen den Häusern, ich bin, ich existiere, ich denke, also schwanke ich, ich bin.

 

Sprecher:

Viele Menschen haben schon eine oder mehrere kurze Episoden der Depersonalisation erlebt. „Neben sich stehen" ist nicht immer nur eine Redensart. Man ist etwa übermüdet auf einer Party und hört sich reden, doch das scheint wie von alleine zu geschehen.

 

O-Ton 8 - Matthias Michal:

Aber auch plötzliche Ortsveränderungen, zum Beispiel wenn man im Urlaub plötzlich aus dem Flieger steigt, hat man irgendwie Schwierigkeiten sozusagen, die Wahrnehmung zu integrieren und dann kommt es einem oft manchmal ein Stück unnatürlich vor, wie in einem Film. Oder wie in einem Traum kurzzeitig. Das ist auch eher was Normales.

 

Sprecher:

Zur Krankheit wird die Depersonalisation erst, wenn man sich oft derart seltsam erlebt und darunter leidet. Offiziell heißt die Störung Depersonalisations/Derealisationssyndrom, weil die Betroffenen meist nicht nur die eigene Person verändert erleben, sondern auch die Realität ringsum. Im Unterschied zu Schizophrenen wissen sie aber, was wirklich ist und was eigenwillige Wahrnehmung. Etwa ein Prozent der Menschen erkrankt

 

irgendwann an der Störung. Wie es dazu kommt, ist ein Rätsel, es gibt nur ein paar dürftige Erkenntnisse.

 

O-Ton 9 - Matthias Michal:

Die Erkrankung beginnt meist so um das sechzehnte Lebensjahr, zu 95 Prozent vor dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr. Als Auslöser findet man sehr häufig einmal emotionale Belastungen, oft ist es so, dass die Patienten am Anfang erst mal nichts berichten können, aber im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung findet man dann doch, dass es da kritische Lebensereignisse gab, die irgendwie das innere psychische Gleichgewicht noch mal richtig ins Wanken gebracht haben und dann beginnt eben die Depersonalisation.

 

Sprecher:

Manchmal haben die Patienten Drogen konsumiert, bevor sie krank wurden. Relativ viele haben Marihuana geraucht, oft sogar nur geringe Mengen. So war es auch bei Timo Heinze.

 

O-Ton 10 - Timo Heinze:

Also eigentlich habe ich damals, ich war ja 17 Jahre, ich war noch sehr jung, also ich hatte damals im Prinzip, aber sehr mäßig mit Marihuana-Konsum zu tun, einmal durch die Gruppe, aber ich war da eigentlich jemand, der da ganz, ganz wenig und der eigentlich nur mitläufermäßig mitgemacht hat, als dass er da jetzt begeistert von war.

 

Sprecher:

Die meisten Betroffenen allerdings haben nie vorher Drogen genommen und überhaupt lässt sich in der Hälfte der Fälle gar kein Auslöser finden.

 

Oft tritt die Depersonalisation im Rahmen einer anderen psychischen Störung auf, etwa bei Panikattacken oder Depressionen. Sehr ausgeprägt können die Symptome auch bei Borderline-Patienten sein. Bei ihnen spielt extremer Stress eine große Rolle, so die Erklärung von Psychiater Bohus vom Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.

 

O-Ton 11 - Martin Bohus:

Der Stress ist so hoch, dass sich sozusagen das Gefühl der Integrität von Körper und Raum und Zeit auflöst. Das geht einher mit Veränderungen der Optik, das heißt, die dreidimensionale Wahrnehmung wird zweidimensional, die Akustik ist dann noch wie von weiter ferne. Manchmal habe ich das Gefühl, die Zeit läuft rückwärts, manchmal nehme ich mich selber wie von außerhalb wahr. Es gibt also tatsächlich diese Out-of-body-experiences.

 

Sprecher:

Etwa jeder sechste Patient, der beim Psychiater vorspricht, leidet unter Depersonalisation. Weil er aber häufig auch noch eine andere, leichter erkennbare Störung hat, bekommen die Ärzte es oft gar nicht mit, wenn die Depersonalisation das Hauptproblem ist und nicht etwa die Angst.

 

O-Ton 12 - Matthias Michal:

Oder genauso mit der Depression. Die Patienten beschreiben: Ja, ich bin immer wieder auch depressiv. Aber was immer da ist, ist die Depersonalisation, egal ob ich nun depressiv bin oder nicht. Und da würde man sagen, es ist eben nicht im Rahmen einer anderen Erkrankung, sondern im Verlauf ist es ein eigenständiges Krankheitsbild.

 

Sprecher:

Der geringe Bekanntheitsgrad hat Folgen für die Behandlung der Probleme der Patienten. Der Mainzer Experte Matthias Michal nimmt zum Beleg ein Psychiatrie-Lehrbuch zur

Hand.

 

O-Ton 13 - Matthias Michal:

Und das ist so auch, sage ich mal, wie die betreffenden Kollegen damit umgehen. Da steht eben zur Therapie drin, keine spezifische Therapie, sondern Behandlung der Grundkrankheit. Und das heißt, eigentlich wird das Symptom auf irgendwas Wichtigeres reduziert. Und das führt in der Regel dazu, dass die Patienten sich nicht verstanden fühlen.

 

Sprecher:

Noch schlimmer kommt es oft, wenn ein Psychiater die Symptome überhaupt nicht als Depersonalisation erkennt, sondern für eine Schizophrenie hält - also für die klassische Wahnerkrankung, obwohl Patienten mit Depersonalisation gerade keine Wahnvorstellungen haben.

 

O-Ton 14 - Matthias Michal:

Und dann auch entsprechend behandelt werden, also mit Medikamenten, die doch auch relativ starke Nebenwirkungen haben. Und das ist dann auch, also das ist, man muss fast sagen, eine Schädigung der Patienten, wenn die einmal mit einer falschen Diagnose rumlaufen, die auch viel Angst macht, und dann auch unter den Nebenwirkungen der Behandlung leiden, das kommt gar nicht selten vor.

 

Sprecher:

Denn Medikamente gegen die Schizophrenie, sogenannte Neuroleptika, sind für Patienten mit Depersonalisation genau das Falsche. Diese Arzneimittel haben eine dämpfende Wirkung und verschlimmern so den ohnehin gedämpften Zustand der Patienten. Timo Heinze hat es erlebt.

 

O-Ton 15 - Timo Heinze:

Da muss ich sagen, das war wirklich der Anfang vom Ende, das Medikament hat mich so weggehauen damals, ich war ja noch im Studium, was ich mit Antidepressiva immer noch einigermaßen bewältigen konnte. Aber mit diesem Medikament war alles vorbei. Der DP-Zustand war quasi so exorbitant hoch, wie ich es mir nicht vorstellen konnte, das war quasi, also furchtbar schlimm, die ganze Merkfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit, ich musste noch in Vorlesungen gehen, das war dermaßen auf Null gesetzt, dass ich da mit diesem Medikament überhaupt nicht normal leben konnte.

 

Sprecher:

Kein Mediziner erkannte seine Störung und behandelte sie richtig. Was er wirklich hatte, musste Heinze selbst herausfinden.

 

O-Ton 16 - Timo Heinze:

Hatte Urlaub, und da dachte ich, ich google jetzt einfach mal. Eigentlich mit keinerlei Hoffnung, dass da wirklich was passiert, und bin dann sofort auf eine Menge Beiträge gestoßen, die mich total fasziniert haben. Wo ich gelesen habe, ja, ich habe das und genau die Beschreibung, wie ich es hab'. Das hat mich damals total umgehauen.

 

Sprecher:

Das Internet führte Heinze auch schnell zu Psychiater Michal, bei dem er eine Therapie begann. Er schrieb beispielsweise auf, wann das Gefühl der Depersonalisation stärker und wann es schwächer war.

 

O-Ton 17 - Matthias Michal:

Und über ein Symptom-Tagebuch gelingt es dann doch, einmal den Patienten Muster aufzuzeigen, bestimmte Situationen mit ihm dann gemeinsam zu analysieren und zu den zugrunde liegenden Ängsten zu kommen. Das sind dann sehr oft Angst vor Beschämung, die zum Beispiel zu so einer Verstärkung von Depersonalisation führt und dann ist man plötzlich in der Biografie und auch in den aktuellen Ängsten des Patienten und kann dann anfangen, psychotherapeutisch zu arbeiten.

 

Sprecher:

Auch Meditationsübungen gehören in Mainz zur Behandlung. Eine standardisierte überprüfte Therapie gibt es noch nicht, doch viele Patienten machen gute Fortschritte. Derweil versuchen Forscher, die Ursachen der Depersonalisation im Gehirn zu finden. Sie haben schon mehrere Spuren. So reagieren die sogenannten Mandelkerne schwächer, zwei kleine, mandelförmige Strukturen, die bei der Entstehung von Gefühlen mitwirken. Obendrein sind die Bereiche des Frontalhirns hinter der Stirn aktiver, die Emotionen hemmen. Beides zusammen trägt wohl zum gedämpften Gefühlserleben der Patienten bei.

 

O-Ton 18 - Matthias Michal:

Und der andere Bereich, den man gefunden hat, da eben ein verändertes Körpererleben, veränderte Aktivierungen im Gehirn, die dafür verantwortlich sind, das sind temporal-parietale Regionen, wo unser Körperbild zusammengesetzt wird.

 

Sprecher:

In genau diese Region führen die Spuren auch bei anderen Phänomenen, bei denen die normale subjektive Einheit einer Person und ihres Körpers auseinanderfallen. Es ist die Region, in der der Temporallappen, der den Unterteil des Gehirns bildet, auf den Parietallappen trifft, der oben den Mittelteil des Gehirns ausmacht. Auf dieses Integrationszentrum stießen Forscher auch, als sie einer bizarren Erfahrung nachgingen, die eine lange, geheimnisvolle Geschichte hat. Eines Nachts im Jahr 1915 wachte ein 12-jähriger amerikanischer Junge namens Sylvan Muldoon auf und wusste erst nicht, wo er sich befand. Bald entwickelte er wieder ein Gefühl für seine Lage, hatte aber keinen Grund zur Beruhigung.

 

In Bett unter sich sah er seinen Körper liegen. Muldoon hatte eine außerkörperliche Erfahrung erlebt, die erste von vielen. 1927 beschrieb er sie in einem bis heute käuflichen Buch. Muldoon nahm seine Erfahrungen als Beweis dafür, dass Menschen einen Astralkörper besitzen, der nicht mit dem leiblichen stirbt und so ein Leben nach dem Tod ermöglicht. Weil Wissenschaftler mit solchen spiritistischen Behauptungen nichts zu tun haben wollten, haben sie sich lange nicht um außerkörperliche Erfahrungen gekümmert. Erst vor einigen Jahren änderte sich das. Ein führender Experte ist Professor Olaf Blanke, der in Lausanne und Genf als Neurowissenschaftler arbeitet. Er weiß, dass viele Menschen außerkörperliche Erfahrungen machen.

 

O-Ton 19 - Olaf Blanke:

Es ist erstaunlich häufig, also fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung. Also, wenn man das hochrechnet in Deutschland, müssten da vier bis acht Millionen Leute existieren, die einmal oder zweimal in ihrem Leben eine außerkörperliche Erfahrung erlebt haben. Das heißt, es ist schon selten, innerhalb eines Lebens, aber es ist doch ein bedeutender Anteil der Bevölkerung, der es hat.

 

Sprecher:

Deshalb gelten außerkörperliche Erfahrungen heute auch nicht mehr als sicheres Anzeichen der schizotypen Persönlichkeitsstörung, einer Geisteskrankheit. Das Phänomen tritt vor allem bei Grenzerfahrungen auf, beispielsweise beim Marathonlauf oder beim Extrem-Bergsteigen.

 

O-Ton 20 - Olaf Blanke:

Dann Autounfall zum Beispiel oder in großer Gefahr sich zu befinden, da kommt es zu außerkörperlichen Erfahrungen. Drogen natürlich, Marihuana, LSD, Beim Einschlafen und Aufwachen. Also in diesen Phasen, wo das Bewusstsein erwacht oder dabei ist, einzuschlafen, kommt es erhöht zu außerkörperlichen Erfahrungen.

 

Sprecher:

Das heißt aber nicht, dass außerkörperliche Erfahrungen irgendwie surreal wirken würden.

 

O-Ton 21 - Olaf Blanke:

Es wird häufig als extrem realistisch wahrgenommen. Also genauso, wie wir beide jetzt auch den Raum hier sehen würden. Das ist es halt, was natürlich den Menschen dann sehr verwirrt, wie kann es denn sein? Es ist eben nicht wie ein Traum, es ist nicht etwas komplett Irreales wie ein verzerrter Film.

 

Sprecher:

Außerkörperliche Erfahrungen lassen sich sogar künstlich auslösen, mit einer Elektrode im Gehirn. Neurologe Blanke entdeckte dies zufällig bei der Untersuchung einer Epileptikerin. Um vor ihrer anstehenden Gehirnoperation herauszufinden, wo genau ihr Gehirn bestimmte Aufgaben erledigt, wurden verschiedene Stellen schwach elektrisch

 

stimuliert. Als die Mediziner Strom in eine bestimmte Gehirnregion schickten, hatte die Patientin plötzlich das Gefühl, mehrere Meter hoch in der Luft zu schweben und auf ihren Körper herabzusehen. Weitere Forschungen ergaben: Patienten, deren Gehirn in genau dieser Region verletzt ist, erleben ebenfalls relativ oft außerkörperliche Erfahrungen. Es ist just die Gegend, in der der Temporallappen auf den Parietallappen trifft.

 

O-Ton 22 - Olaf Blanke:

Das ist so eine Region auf der rechten Seite, zwei Zentimeter hinter und oberhalb des Ohres. Dort, unter der Schädelplatte liegen die Gehirnabschnitte, sind also dafür wichtig, können dazu führen, wenn Informationen nicht richtig verarbeitet werden, dass es zu einer außerkörperlichen Erfahrung kommt.

 

Sprecher:

Wichtig sind diese Gehirnabschnitte weniger für die außerkörperlichen Erfahrungen - die entstehen nur, wenn dieses Grenzgebiet versagt. Denn eigentlich ist es damit beschäftigt, für die Einheit der Wahrnehmung zu sorgen.

 

O-Ton 23 - Olaf Blanke:

Was diese Regionen dort machen, ist, viele verschiedene Modalitäten und Sinnesdaten zusammen zu berechnen. Also Hörsinn, Sehsinn, Gleichgewichtssinn und Tastsinn, alle diese Informationen werden dort verrechnet.

 

Sprecher:

Das Gehirn muss all die Informationen, die es von den Sinnesorganen bekommt, so zusammenfassen, dass wir das Gefühl haben, uns an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Körperlage zu befinden.

 

O-Ton 24 - Olaf Blanke:

Nämlich sich an derselben Stelle spüren, reden zu hören und sich auch sitzen zu sehen. Also diese verschiedenen Modalitäten und Sinneseindrücke zu verbinden, ist ne Wahnsinnsaufgabe, die das Gehirn mit einer großen Leichtigkeit eigentlich erledigt. Und es scheint bei außerkörperlichen Erfahrungen schief zu laufen.

 

Sprecher:

Solche Pannen sind für Hirnforscher wie Olaf Blanke gerade interessant. Denn sie zeigen, dass es eben nicht selbstverständlich ist, sich als einheitliche Person zu empfinden. Das Gehirn muss diesen Eindruck vielmehr erst erzeugen und kann dabei auch Fehler machen. Die Fehler des Gehirns aber verraten etwas darüber, wie es funktioniert. Auch bei der Erforschung der außerkörperlichen Erfahrungen geht es also letztlich um die Frage, wie das Selbst entsteht. Seit Kurzem können Wissenschaftler diesen Konstruktionsprozess untersuchen, indem sie außerkörperliche Erfahrungen auch ohne Elektroden im Gehirn erzeugen - mit ziemlich einfachen Tricks und Techniken. Der Neurowissenschaftler Henrik Ehrsson vom Karolinska Institut der Universität Stockholm hat verblüffende Experimente veröffentlicht, deren Ergebnisse kaum zu glauben wären, wenn sie nicht in renommierten Wissenschaftszeitschriften stünden. Der „Nature"-Autor Ed Yong [sprich: Jong] hat sie bei Ehrsson sogar am eigenen Leib ausprobiert.

 

O-Ton 25 - Ed Yong:

I'm sitting there with some goggles, which are feeding the view from a camera that's behind me. So I see my own back sitting down. And then he taps my chest with a rod and it moves towards the camera with a second rod. So in the goggles I'm seeing a rod coming to my chest that moves in time with the taps I feel. But I see myself sitting in the background. And my brain puts all of that together and it says you are now outside of your body. And it's really strong and uncanny. You feel like you're floating away.

 

Sprecher 2 (Übersetzung Yong):

Ich sitze da mit einer Art Brille, die mir die Bilder einer Kamera hinter mir zeigt. Ich sehe also meinen Rücken. Und dann tippt er mit einem Stab auf meine Brust und bewegt einen zweiten Stab Richtung Kamera. Ich sehe also mit der Brille einen Stab auf meine Brust zukommen, und zwar gleichzeitig mit den Berührungen, die ich auf meiner Brust fühle. Aber ich sehe mich selbst sitzen. Und mein Gehirn fügt das alles zusammen und sagt: Du bist jetzt außerhalb Deines Körpers. Und es ist wirklich stark und frappierend. Man fühlt sich, als ob man schweben würde.

 

Sprecher:

Ehrsson kann Menschen aber nicht nur subjektiv aus ihrem eigenen Körper herauslösen, er kann sie auch in einen anderen hineinversetzen. Bei diesem Experiment werden zwei Kameras auf den Kopf einer Schaufensterpuppe montiert. Die Versuchsperson sieht durch ihre Bildschirmbrille, wie die Puppe auf ihren Körper herunter sieht. Wenn der Versuchsleiter den Bauch der Versuchsperson und den Bauch der Puppe mit zwei Stäben gleichzeitig berührt, hat die Versuchsperson schnell das Gefühl, dass nun die Puppe ihr Körper ist. So kann Ehrsson Versuchspersonen sogar in den Körper einer Barbiepuppe versetzen. Wie echt solche Erfahrungen wirken, demonstriert Ehrsson mit einem Überraschungsangriff, der auch beim Blick von hinten auf den eigenen Körper funktioniert, wie Yong erlebt hat.

 

O-Ton 26 - Ed Yong:

Then Ehrsson tests this by taking a knife and stabbing it towards the camera. So it's moving away from my actual body but I see it through the goggles moving towards me. Now if the illusion didn't work that wouldn't do anything. But it did work and I was really shocked. And he's got this little sensor on my finger, which is measuring my sweat levels, and they spiked through the roof. So it's physiological evidence of what I'm feeling which is that illusion is incredibly convincing.

 

Sprecher 2 (Übersetzung Yong):

Ehrsson macht einen Test, indem er ein Messer nimmt und damit in Richtung der Kamera sticht. Er bewegt sich also von meinem wirklichen Körper weg, aber durch die Brille sehe ich es auf mich zukommen. Wenn die Illusion nicht funktionieren würde, würde nichts passieren. Aber sie hat funktioniert und ich war wirklich geschockt. Und er hatte einen kleinen Sensor an meinem Finger angebracht, um zu messen, wie stark ich schwitze. Der Ausschlag der Kurve ging durch die Decke. Das war also die physiologische Bestätigung von dem, was ich fühle, nämlich, dass die Illusion unglaublich überzeugend ist.

 

Sprecher:

Wenn man weiß, wie leicht sich das Gefühl der Einheit von uns selbst und unserem Körper durcheinanderbringen lässt, scheint vielleicht eine seltene Störung nicht mehr ganz so erstaunlich, die auf den ersten Blick extrem bizarr wirkt - die Body Integrity Identity Disorder, kurz BIID [sprich Be-I-I-De], die Störung der Integrität des eigenen Körpers und seiner Identität.

 

O-Ton 27 - Aylin Thiel:

Bei diesem Phänomen geht es um den überwältigenden Wunsch, eines oder beide Beine amputiert zu bekommen. Es kann sich auch darum handeln, blind zu sein, taub zu sein, Rückenmarksdurchtrennung zu haben.

 

Sprecher:

Die Psychologin Aylin [sprich: Eilin, vgl. Aussprache-O-Ton] Thiel hat die Störung an der Universitätsklinik Frankfurt erforscht. Der Wunsch der Erkrankten klingt verstörend, aber ist völlig ernst gemeint.

 

O-Ton 28 - Aylin Thiel:

In aller Regel wünschen sich die Betroffenen das seit der frühesten Kindheit und der Wunsch besteht bis ins hohe Erwachsenenalter oder bis ins hohe Lebensalter und wird in aller Regel immer drängender ohne Therapie.

 

Sprecher:

Bislang ist die BIID keine offiziell anerkannte Krankheit, die Wissenschaft weiß noch zu wenig über sie. Auch wie viele Menschen Amputationswünsche verspüren, ist völlig unklar. Einige Tausend sind es weltweit auf jeden Fall, wahrscheinlich deutlich mehr. Die Betroffenen sind im Übrigen völlig normal, es finden sich keine Anzeichen einer Psychose und keine Auffälligkeiten in Persönlichkeitstests. Viele sind auch sehr erfolgreich im Beruf. Sie wollen nur einfach beispielsweise ein Bein loswerden, obwohl sie es nicht einmal hässlich finden. Das Bein scheint einfach irgendwie nicht zu ihnen zu gehören. Viele Betroffenen beneiden sogar Amputierte um ihre Behinderung. Sie probieren gerne aus, wie es ohne das Bein oder ein anderes unerwünschtes Körperteil wäre. Die BIID-Szene, die sich vor allem über das Internet austauscht, hat dafür sogar ein gängiges Wort: Pretenden.

 

O-Ton 29 - Aylin Thiel:

Pretenden umschreibt, dass man den Zustand, den eigentlichen Körperzustand, so wie man ihn gerne hätte auch wirklich nach außen hin darstellt. Das heißt, die Betroffenen binden sich beispielsweise ein Bein hoch oder wer doppelbeinig amputiert sein möchte, sitzt beispielsweise im Rollstuhl. Oft gehen die Betroffenen in eine andere Stadt und fahren dann dort mit dem Rollstuhl umher oder laufen mit Krücken umher, um den Zustand, den sie eigentlich für sich selber erwünschen, auszuprobieren, auszuüben, zu schauen, wie andere Menschen darauf reagieren.

 

Sprecher:

Meist erleben die Betroffenen dieses Ausprobieren als sehr angenehm. Doch ein Ersatz für die ersehnte Operation ist es für sie nicht. Sie wollen das als nicht zum Körper gehörig empfundene Glied auf jeden Fall loswerden. Das hat Aylin Thiel oft erfahren.

 

O-Ton 30 - Aylin Thiel:

In aller Regel ist es so, dass die Betroffenen nicht unter ihrem Wunsch leiden, sondern sie leiden darunter, dass sie diesen Wunsch nicht verwirklichen können. Die Betroffenen leiden darunter, dass sie eine Beinamputation möchten, die sie nicht so einfach durchführen können. Und das erzeugt das Leiden, dass der Wunsch mit der Realität nicht übereinstimmt.

 

Sprecher:

Eine Psychotherapie kann den Wunsch nach einer Amputation immerhin abschwächen. Jedenfalls konnte Aylin Thiel einen ersten Fallbericht mit diesem Teilerfolg veröffentlichen. Viel spricht dafür, dass psychologische Faktoren bei den Amputationswünschen eine große Rolle spielen. So hoffte ein Patient von Aylin Thiel, wenn er keine Beine hätte, würde seine depressive Mutter endlich bei ihm am Bett sitzen anstatt umgekehrt. Experten vermuten jedoch auch eine Störung in Gehirnbereichen, die das Bild vom Körper konstruieren und so entscheiden, was dazugehört und was nicht. Die Vielzahl der Theorien macht es nicht einfacher zu entscheiden, ob Ärzte die schockierende Sehnsucht der Menschen mit Body Integrity Identity Disorder erfüllen sollten. Aglaja Stirn [sprich: Aglaia, vgl. Aussprache-O-Ton], die Chefärztin für Psychosomatik im Asklepios Westklinikum Hamburg, nimmt den Wunsch der Patienten zumindest ernst.

 

O-Ton 31 - Aglaja Stirn:

Für uns ist es wichtig, dass jemand nicht sofort stigmatisiert wird, wenn er diesen erst mal ungewöhnlichen Wunsch hat, weil wir auch in einer Gesellschaft leben, in der - das kann man natürlich kritisch sehen - aber sehr viel mit dem Körper gemacht wird. Und die Frage ist schon, wo können wir es auch abgrenzen zur plastischen Chirurgie?

 

Sprecher:

Im Prinzip darf natürlich jeder mit seinem Körper machen, was er will. Manche Betroffene versuchen tatsächlich auf eigene Faust ein Bein loszuwerden, beispielsweise mit einer selbst gebauten Mini-Guillotine oder indem sie es vor einen nahenden Zug legen. Aber wenn ein Arzt eine Verstümmelung vornehmen soll, würde er vielleicht schon gerne wissen, was wirklich hinter dem Wunsch nach der folgenschweren Operation steht.

 

O-Ton 32 - Aglaja Stirn:

Ab wann ist es legal, am Körper herum zuschneiden und ab wann nicht? Und ab wann ist ein Wunsch, der eigene Körper möge anders sein, normal und ab wann nicht? Und diese Grenzen sind sehr schwimmend. Und das glaube ich, ist auch die Herausforderung des Forschers und die Herausforderung der Ärzte und Psychologen, die sich damit beschäftigen, ab wann sagen wir, jetzt ist es wirklich krankhaft oder es ist noch nicht krankhaft?

 

Sprecher:

Vielleicht werden Wissenschaftler eines Tages herausfinden, wie die Störung im Gehirn genau entsteht. Vielleicht werden Forscher sogar Techniken entwickeln, mit denen Betroffene lernen können, ihr ungeliebtes Körperteil wieder als zu sich gehörig zu empfinden. Immerhin kann Henrik Ehrsson einem Menschen bereits das Gefühl vermitteln, in einem Puppenkörper zuhause zu sein. Aber würden die Betreffenden so eine Behandlung überhaupt wollen? Sie haben ja gar nicht den Wunsch, die für Andere selbstverständliche Einheit des Körpers wieder herzustellen. Patienten mit Depersonalisation dagegen streben nach dem Gefühl der Einheit, sie wollen sich wieder als Teil der Welt empfinden. Doch Menschen mit Body Integrity Identity Disorder haben das Gefühl für die Ganzheit des Körpers verloren und wollen sie vielleicht nie wieder zurück.

 

 

 

 

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Die Schilderung von Ed Yong stammt aus einem Podcast der Nature Publishing Group: http://www.nature.com/news/out-of-body-experience-master-of-illusion-1.9569 Ausschnitte mit freundlicher Genehmigung der Nature Publishing Group.

 

 

Zitierte Literatur:

 

Haruki Murakami: „Mister Aufziehvogel", Dumont Buchverlag 1998.

 

Jean-Paul Sartre: „Der Ekel". Zitiert nach: Jean-Paul Sartre

Ein Lesebuch mit Bildern. © 2005 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg.

 

 

http://zeitonl.ivwbox.de/cgi-bin/ivw/CP/Wirtschaft;/2001/51/Wirtschaft/print_200151_z-psychomarkt/?r=http%3A//jobs.zeit.de%3A9999/services/online-search%3Fwords%3DJochen+Paulus%26config%3Dzeit%26restrict%3D%26exclude%3D%26method%3Dand%26so%20http://zeitonl.ivwbox.de/cgi-bin/ivw/CP/Wirtschaft;/2001/51/Wirtschaft/print_200151_z-psychomarkt/


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